Wie alles begann...

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Im Juli 1932 führte das Musikhaus Mayer aus Stuttgart Bad-Cannstatt eine Werbeveranstaltung durch, bei der man das Diatonische Akkordeon der Bevölkerung näher bringen wollte. Das durfte als voller Erfolg bezeichnet werden, denn kurze Zeit später, am 27. Juli, trafen sich sechs lernbegierige Magstadter Burschen mit ihrer Diatonischen Handharmonika im Gasthaus „Ritter“ zu ihrer ersten Übungsstunde. Das war die Geburtsstunde des HHC.

5 Jahre HHC

Mit einem großen Gartenfest im Traubengarten wurde das 5-jährige Bestehen gefeiert. Ein Platzkonzert vor dem Rathaus, zum ersten Mal in blau-weißer Tracht, war der Höhepunkt des Jubiläums.

Auszug aus dem Protokollbuch: 02.08.1937

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Bericht über das 5-jährige Jubiläumsfest

„Das Fest steht vor der Tür und jeder Club-Kamerad wusste seine Pflicht, was er dem Club schuldig ist. 3-4 Abende wurde gearbeitet bis alles in Ordnung war. Nun war es Samstag, an welchem das Fest begann, aber was mussten wir erfahren: am selben Abend wurde das Festbankett durch ein heftiges Gewitter verspätet. Aber der Wettergott war uns doch hold. Wir wollten schon das Festbankett im Traubensaal abhalten, da lichteten sich im letzten Augenblick die Regenwolken und sofort wurde bestimmt anfangen zu spielen, denn viele warteten darauf. Ein Fass Bier wurde auch gleich angezapft. Es gab dann noch einen schönen Abend.

Der Sonntag: Morgens um 6 Uhr spielte die aktive Gruppe das Wecken. Der Himmel war aber noch trübe. Es wurde immer heller und um 8 Uhr früh drang die Sonne durch. da wurde einem manchen leichter, denn wenn man etwas hat an Festlichkeiten und es misslingt, so hat man eine gewisse Verantwortung dem Verein gegenüber. Um 10 Uhr war Probe. Nach der Kirche um 11 Uhr, wurde das Platzkonzert gegeben, welches von der Einwohnerschaft sehr belauscht wurde.
Der Musikverein gab zur Feier des Tages auch ein Platzkonzert. Nun wurde der Festzug aufgestellt, welcher von allen Vereinen von hier und der Umgebung beteiligt wurde. In den beflaggten Straßen bewegte sich der Zug bis er endlich den Festplatz betrat. Nach Ankunft auf demselben kam der Begrüßungsmarsch des Clubs. Anschließend Begrüßung durch den Herrn Vorstand Eugen Baither, welcher sich sehr freute einen solch vollbesetzten Festplatz vor den Augen zu haben. Mit gutem Wetter und guter Stimmung nahm das Fest einen guten Verlauf. Montags gab es dann noch einen kleinen Festabschluss, welcher auch sehr zur vollen Zufriedenheit verlief. Und nun meine werten Clubkameraden, haltet auch in Zukunft den Club in Ehren und macht euch selbst Freude an eurer Sache. Mit Zug und Druck: Der Schriftführer“

Kriegsjahre

Der Krieg brachte auch in unserem Verein den Spielbetrieb fast zum Erliegen. Die meisten der Spieler wurden einberufen, aber dennoch riss auch während dieser Zeit die Verbindung zum Verein nicht vollkommen ab. Leider kamen einige der Spieler nicht mehr aus dem Krieg zurück, andere mussten noch viele Jahre in Gefangenschaft bleiben. Aber die Unentwegten, die das Glück hatten, 1946 wieder hier zu sein, fanden sich zusammen und begannen von neuem zu musizieren.

Auszug aus dem Protokollbuch: 05.05.1946

Versammlung zwecks Wiedergründung
Auf allgemeinen Wunsch wurde eine öffentliche Versammlung angesetzt und durch Ausrufer bekannt gegeben. Die Versammlung fand in dem Gasthaus zum Waldhorn statt. Die Versammlung war gut besucht und zeigte, dass am Handharmonikaspiel noch Interesse vorhanden ist.
Wilhelm Eberle eröffnete die Versammlung. Er gab der Freude Ausdruck, dass die Versammlung so zahlreich besucht wurde. Eine Liste wurde angelegt, in der sich jeder als Mitglied eintragen konnte. Sämtliche Anwesenden setzten ihren Namen auf die Liste. Nun kam die Wahl der Vorstandschaft. Nachdem ein Wahlausschuss bestimmt war, wurden Wahlvorschläge eingereicht. Übernahme der Versammlung durch den neu gewählten Vorstand. Er führte aus: „Wir haben nun wieder einen Verein ins Leben gerufen aus Interesse am Handharmonikaspiel. Wir wollen uns von vornherein im Klaren sein, dass der Verein zur Pflege der Musik gegründet wurde. Deshalb ist jede politische Betätigung während des Zusammenseins im Club zu unterlassen. Ferner ist die Grundlage eines Erfolgs nur, wenn wir alle kameradschaftlich und offen miteinander verkehren.“ Er gibt der Hoffnung Ausdruck, dass wir nun gut und erfolgreich zusammenarbeiten, und bedankt sich noch mal für das ihm und den anderen Neugewählten entgegengebrachte Vertrauen. Nachdem keine Wortmeldungen mehr kommen, wird die Versammlung geschlossen und zum gemütlichen Teil übergegangen. Da die meisten der Anwesenden aktive Spieler sind, wird nun von jedem  etwas zum Besten gegeben. Der Abend verlief vollends recht gemütlich.

Die Dirigenten der frühen Jahre

1. Vorsitzender Wilhelm Schlegel

1. Vorsitzender Wilhelm Schlegel

Heinz Öttinger war von 1952-1972 ein den Verein prägender Dirigent. Unter seiner Leitung ging der Club zum Orchesterspiel über, nahm an zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen und Wertungsspielen mit Erfolg teil. In dieser Zeit hatte der Verein mit Wilhelm Schlegel als 1. Vorsitzenden eine Persönlichkeit, die dem Verein einen unauslöschlichen Stempel aufdrückte.

Er war bemüht, den Club durch die Teilnahme bei Kinderfesten, Vereinsfestzügen und vielen anderen Veranstaltungen der Bevölkerung näher zu bringen. Sein allzu früher Tod im Jahr 1976 hinterließ eine kaum zu schließende Lücke.

1952 feierte der Verein sein 20-jähriges Jubiläum mit einem großen Konzert, bei dem unter anderen auch Weltmeister Lars Bjarne sein Können zu Gehör brachte.

 Im Jahr 1972 wurde Helmut Gackstatter als neuer Dirigent verpflichtet. Er verstand es ganz ausgezeichnet mit Kindern und Jugendlichen umzugehen, sodass der Club einen großen Zuwachs an neuen Mitgliedern zu verzeichnen hatte. Es war sein Verdienst, dass ein neu formiertes Jugendorchester bald in der Öffentlichkeit auftreten konnte.

Erwin Schüttler übernahm 1977 die Vereinsführung. Mit ihm hatte der HHC jahrelang einen sehr engagierten Vorsitzenden.

50 Jahre HHC

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Reinhold Schweizer wurde 1979 als Dirigent und Musiklehrer nach Magstadt geholt. Er leitete 13 Jahre lang die Orchester und übernahm den Musikunterricht der jungen Spieler.
Unter seiner Leitung feierte der Verein 1982 einen weiteren Höhepunkt in seiner Geschichte: das 50-jährige Jubiläum. Anspruchsvolle Unterhaltung wurde den Zuhörern und Gästen vom 1.Orchester und dem Gastorchester Hohnerklang aus Trossingen bei einem großartigen Konzert geboten.

Anlässlich dieses Jubiläums hatten sich Spieler und Spielerinnen aus der Gründerzeit zusammengefunden und unter der Leitung von Walter Kopp fleißig mit den Diatonischen Instrumenten geübt. Sie sind seither aus manchen Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken.

1987 musste der Verein dann Abschied von seinem Gründungsmitglied und Ehrenvorstand Ernst Baither nehmen.Gleich zwei Mal hatte der Club 1989 die Gelegenheit, an Rundfunksendungen mitzuwirken, zuerst bei der Sendung „Land und Leute“, später noch bei Radio BB. Als 1990 dann die Landesgartenschau in Sindelfingen stattfand, konnten sich die Orchester des Akkordeonvereins mit gekonnt gespielten Musikstücken einem aufmerksamen Publikum präsentieren.

60 Jahre HHC

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An Himmelfahrt 1991, beim traditionellen Waldfest, dirigierte Reinhold Schweizer das Orchester zum letzten Mal. Nur für kurze Zeit übernahm das Ehepaar Langpaul die musikalische Leitung und Ausbildung der Magstadter Spieler.

Zwei Monate vor dem Jubiläumskonzert zum 60-jährigen Bestehen im Jahr 1992 fand der HHC in Antonie Lengerer eine qualifizierte Dirigentin, die spontan die Leitung der Orchester übernahm.

Die Diatoniker, das Jugendorchester, sowie das 1. Orchester boten den Zuhörern ein sehr klangvolles und gut vorgetragenes Programm.

Große Konzerte in der Festhalle, Auftritte beim Waldfest, bei Seniorennachmittagen, zur Einstimmung beim Neujahrsempfang der Gemeinde, im Rahmen des Blumenschmuckwettbewerbes, anlässlich des Fleckenfestes, beim Erntedankfest in der Kirche oder bei den Kleintierzüchtern standen ebenso auf dem Programm wie Auftritte in den Nachbargemeinden.

Die 90er

Spielerfreizeit '96

Spielerfreizeit ’96


Anlässlich der Magstadter Tage in Bernsdorf reisten das Schülerorchester und das 1. Orchester in die Partnergemeinde nach Sachsen und präsentierten sich dort einem begeisterten Publikum.
Neben den musikalischen Auftritten wurde auch einiges für die Geselligkeit getan: Jugendfasching, Freizeiten, Kameradschaftsabende und Vereins-ausflüge standen auf dem Programm. 1998 führte der Vereinsausflug nach Bayern, u.a. stand die Besichtigung der Bavaria-Filmstudios, des Franz-Josef-Strauß-Flughafens und abschließend des Klosters Weihenstephan auf dem Programm.

Der HHC im neuen Jahrtausend

Im Jahr 2000 verpflichtete der Verein mit Michael Lauenstein einen neuen Dirigenten, der im Akkordeonunterricht von Katja Frasunkiewicz unterstützt wurde. Diese beiden jungen Kräfte unterrichteten die Schüler auch im Keyboard- und Mundharmonikaspiel als weiteres Angebot des Vereins.

Der erste große Auftritt mit dem neuen Dirigenten fand nach einem Übungswochenende in Schwäbisch Hall im April 2001 in der Festhalle statt. Mit schwungvollen Stücken aus Cats, Phantom der Oper, einem ABBA-Medley und anderen mitreißenden Melodien erfreuten das Schülerorchester und das 1. Orchester das Publikum. Maria Lauenstein trug ein Stück auf der Geige vor und wurde dabei von ihrem Mann auf dem Akkordeon begleitet. Neben dem  1. Orchester trug auch das Schülerorchester mit einem gekonnten Vortrag zum Gelingen des Abends bei. Die Jüngsten umrahmten das musikalische Programm in Kostümen von Cats und auch das Phantom der Oper zeigte sich in der Festhalle.

Zum 50-jährigen Jubiläum der Festhalle im Juni 2002 unterhielten die drei Musik treibenden Vereine in Magstadt, Liederkranz, Musikverein und HHC, mit einem abwechslungsreichen Programm das Publikum. Dieser Abend war ein voller Erfolg.

Das Jahr 2003 hatte viele Höhepunkte für den HHC. Im Frühjahr stand zunächst eine Aufnahme für SWR 4 an. Zu einem ganz besonderen Ereignis lud der HHC im März des Jahres ein. Unter dem Motto „Musik kennt keine Grenzen“ faszinierte er zusammen mit dem Gastorchester aus Daugavpils/Lettland, das auf Vermittlung von Michael Lauenstein den weiten Weg nach Magstadt auf sich nahm, eine große Zahl von Gästen.

Das Schülerorchester eröffnete den Abend mit einem Rock-Klassiker und Musicalmelodien. Das 1. Orchester brachte anspruchsvolle Unterhaltungs-musik zum Vortrag. Das Orchester aus Lettland begeisterte mit perfekt vorgetragener Tangomusik, genauso wie mit einer swingenden Bearbeitung von Mozarts Kleiner Nachtmusik oder südamerikanischen Rhythmen. Abschluss und Höhepunkt des 3-stündigen Konzertes war der gemeinsame Auftritt der beiden Orchester. Ungefähr 40 Spieler ernteten nach „We are the Champions“ und „The Final Countdown“ lang anhaltenden Applaus des restlos begeisterten Publikums.

Im Herbst feierte die Freiwillige Feuerwehr Magstadt ihr 125-jähriges Bestehen. Beim großen Festumzug durfte der HHC mit einem Festwagen nicht fehlen.

Seit Beginn des Jahres 2004 hat der HHC sein eigenes Übungslokal. Der Raum unter dem Musiksaal der Johannes-Kepler-Schule steht dem Club nun alleine zur Verfügung. Vereinsmitglieder renovierten die neue Übungsstätte und sorgten dafür, dass man sich auch nach den Übungsstunden noch gemütlich zusammensetzen kann.

Irina Krugel, die Katja Frasunkiewicz als Musiklehrerin und Leiterin des Schülerorchesters im Frühjahr 2003 ablöste, hielt darin als neuestes Angebot des Vereins, den Musikgarten für die Kleinsten, die hier an die Musik heran geführt werden sollen, ab. Daran schließt sich dann die musikalische Früherziehung mit der Klangstraße an. Außerdem wurde eine Musik-AG in Kooperation mit der Schule begonnen.

Im März 2004 veranstaltete der HHC zum ersten Mal ein Kirchenkonzert in der Johannes-Täufer-Kirche in Magstadt. Mit Gospels, klassischen Werken und internationalen Musikstücken begeisterte man die zahlreichen Zuhörer. Als besonderen Leckerbissen kann man die Einlagen von Maria Lauenstein, die von ihrem Mann auf dem Akkordeon begleitet, den Winter aus den Vier Jahreszeiten auf der Geige zum Besten gab, als auch die Trompetensoli von Petra Wagner bezeichnen. Zur Finanzierung der Magstadter Kirchenglocken konnte der Kirchengemeinde ein stolzer Betrag nach einem erfolgreichen Konzert übergeben werden.

Der Höhepunkt im Jahr 2005 war das Konzert zum Advent im November. Zusammen mit dem Liederkranz bot man den interessierten Zuhörern Klassisches, Melodien aus Operetten und Hits im Big Band Sound. Den gemeinsamen Abschluss bildeten Gospels und Vivaldis „Gloria in excelsis deo“ als musikalische Überleitung in den Advent.

Nach 3 Jahren Ausbildungsarbeit verließ im Januar 2006 die Musiklehrerin Irina Krugel den Verein. Glücklicherweise konnte mit Natalia Schell eine sehr engagierte Kraft gewonnen werden. Sie übernahm fast komplett die vielfältigen Aufgaben ihrer Vorgängerin.

Seit 2009 gibt es eine zweite feste Größe im HHC-Festkalender: Bei unserem „Beerdafeschtle“ werden am Tag der deutschen Einheit (3. Oktober)  im Backhaus „Beerda“ (Kartoffel- und Zwiebelkuchen, sowie Apfel – und Zwetschgenkuchen) nach traditionellen Rezepten gebacken, die die Magstadter dann zünftig mit neuem Wein, Most, etc. genießen können. Die HHC-Jugend sorgt dabei für die musikalische Umrahmung.

Beim Kirchenkonzert 2011 erfolgte die symbolische „Stabübergabe“ von Michael Lauenstein an unseren aktuellen Dirigenten des 1. Orchesters, Aleksejs Maslakovs.

Seit Gründung des HHC standen nicht nur Auftritte bei großen Veranstaltungen für die Musiker an, sondern in jedem Jahr gab es auch zahlreiche Einsätze bei örtlichen Festen, Hochzeiten, Konfirmationen und natürlich beim traditionellen Waldfest an den Buchen.

Auch in Zukunft ist der Handharmonikaverein bestrebt, das kulturelle Leben der Gemeinde Magstadt mitzugestalten und die Magstadter Bürger mit dem Akkordeonspiel zu erfreuen.

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